Schlagwort: Engagement im Eichholz

  • AUF DER ACHTERBAHN DES LEBENS

    AUF DER ACHTERBAHN DES LEBENS

    Buntes Hemd, Smiley-Button, Ohrstecker, frohes Lachen, dicker Bauch …wer ihn kennt, weiß, von wem die Rede ist: Rolf-Uwe Grünewald.
    Eichholz-Bewohner und aktiver Bürger, bekannt für sein vielseitiges Engagement unter anderem bei der Quartiersarbeit im Eichholz. Dort trifft man ihn regelmäßig bei der IG Eichholz, im Inselcafé, im Redaktionsbüro der Stadtteilzeitung, bei den Arbeitskreisen Verkehr und Veranstaltungen, bei der Betreuung von Sozialsündlern, beim Aufräumen und Instandhalten. Das Eichholz ist sein Zuhause – seine Zielgerade nach einer beispiellosen Achterbahnfahrt.

    Loopings, Turns und Schraubenrollen gab es genug in seinem Leben. Schon mit drei Jahren begann seine erste Talfahrt, als er 1963 zusammen mit seiner Zwillingsschwester aus der Familie mit acht Kindern gerissen wurde und ins Kinderheim kam. Schon ein Jahr später erlebte er die erste Bergfahrt: liebevolle neue Eltern, ein behütetes Aufwachsen in einem Lehrerdiensthaus mit riesigem Garten und viel Freunden zum Toben und Tollen. Als „Adoptivkind“ in ländlicher Kleinbürgerlichkeit wurde er in der Schule früh mit dem Mobbing konfrontiert, er zog sich zurück, musste die Schule wechseln, verlor an Selbstvertrauen und flüchtete sich mit 14 Jahren in Alkohol und Zigaretten. Die Abwärtsspirale begann. Seine Berufsträume hängte er an den Nagel und entschied sich zu einer Ausbildung zum Koch. Hier begann der Alptraum seines Lebens, denn tägliche Vergewaltigungen durch den Chef nahmen ihm das letzte bisschen Selbstvertrauen und nährten die frühe Sucht nach Alkohol.

    Mit abgeschlossener Lehre hieß sein Ziel: einfach nur weg! Seine Spuren hinterließ er als Koch im Ehrenamt, als Koch bei der Bundeswehr, als stv. Küchenchef in der Schweizer Gastronomie und später im christlichen Jugenddorfwerk in Nagold – immer eine dicke Alkoholfahne hinter sich herziehend. Und immer auf der Flucht, bevor jemand seine Sucht erkennen sollte. Ein doppelter Bandscheibenbruch beendete seine Koch-Laufbahn,
    der Loop ins nächste Abenteuer startete: Versicherungskaufmann.

    Nach der Umschulung übernahm er mit knapp 30 Jahren eine Versicherungsagentur in Esslingen und die Kurve führte ihn nach oben bis hin zur großen Liebe. Diese lockte ihn nach Wiesbaden und am Ende kostete deren Fall ihn 300.000 Euro.

    Rolf-Uwe Grünewald brach mit 33 Jahren alle Brücken hinter sich ab und geriet in einen schuldenreichen Strudel des Überlebens mit unterschiedlichsten Tätigkeiten. Drogen und die „inzwischen“ vier Flaschen Wodka täglich zogen ihn in den nächsten Abgrund. Mit knapp 5 Promille wurde er 47-jährig ins Krankenhaus eingewiesen und erwachte nach 12 Tagen. Dieser Tag X war seine Wende und er begab sich auf einen harten Weg zurück ins Leben ohne Alkohol, ohne Drogen. Er strotzte der „86 % Rückfallquote“ und schaffte es in dem Wissen „entweder jetzt oder
    tot“. Diabetis, Infusionstherapie, Rollstuhl, Amputationen … er erlebte das volle Programm im Kabinett des Schreckens und fand seinen Weg in ein neues Leben und wollte dies mit Menschen teilen, um zu helfen.

    Seit 2008 hält er erfolgreich und eindrucksvoll Vorträge über Sucht in Schulen, bei der AWO, im Suchthilfezentrum und bei der Polizei. Er bedient eine Hotline für sexuell missbrauchte Jungs. Er fährt für die Lebenshilfe und für die Freizeit im Täle. Er begleitet Kranke im Sindelfinger Klinikum vor und nach der OP, engagiert sich als Lesepate, Wahlhelfer, im Bündnis Buntes Sindelfingen, bei der Bürgerstiftung und bei Miteinander / Füreinander. Seit 20 Jahren pflegt er intensive Brieffreundschaften und hat mit den Briefen auch das Schreiben entdeckt. Zuletzt mit der Teilnahme an einem Schreibwettbewerb zum Thema „Herzenswünsche“ mit seiner berührenden Geschichte über die Familienzusammenführung einer „eigentlich“ für immer getrennt geglaubten Familie.

    Menschen wie Rolf-Uwe Grünewald sind wichtig und wir freuen uns, dass er Vorbild und Teil unserer Gemeinschaft ist.