
Es begann nicht erst in den 1960er Jahren…
….das Eichholz – Lebensraum mit Geschichte.
Wer heute im Eichholz lebt oder arbeitet, befindet sich in einem Gebiet mit uralten Wurzeln. Lange bevor die ersten Häuser in den 1960er-Jahren gebaut wurden, war dieser Ort bereits Lebensraum für Menschen – und das seit Jahrtausenden.
Bereits zwischen 3.950 und 2.700 v. Chr., also im Jungneolithikum, siedelten sich auf der heutigen Sindelfinger Gemarkung Menschen an, die schon über viele Generationen sesshaft waren. Archäologische Funde belegen frühe Siedlungen in unmittelbarer Nähe, etwa im Hinterweil und bei der Landhaussiedlung Maichingen. Die Bewohner nutzten die steinfreien Felder, betrieben Ackerbau und errichteten ihre Häuser dort, wo fruchtbare Lehmlößböden, Wasserläufe wie der Hinterweiler Bach und die Schwippe sowie der umliegende Wald ideale Lebensbedingungen boten.
Der Eichholzwald, der dem heutigen Stadtteil seinen Namen gab, war schon damals Teil dieser Landschaft. Er zog sich vom Bereich der heutigen Pfarrwiesenallee über das Hinterweil bis zur Stuttgarter Straße an der Aspenschopfkreuzung in Richtung Magstadt. Der Begriff Eichholz existierte also lange, bevor die „Waldstadt Eichholz“ als Wohngebiet entstand.
Über viele Jahrhunderte hinweg blieb der Wald ein wertvolles Gut. Zunächst gehörte er dem Chorherrenstift Sindelfingen, später teilte sich die junge Stadt Sindelfingen die Nutzung mit dem Stift. Als dieses 1477 nach Tübingen verlegt wurde, ging der Eichholzwald vollständig in den Besitz der Stadt über. Im Lauf der Zeit änderten sich die Besitzverhältnisse mehrfach. Zunächst gehörte der Wald dem deutschen König, später erweiterten verschiedene Gruppen ihre Nutzungsrechte, was immer wieder zu Streitigkeiten führte. Bis ins 19. Jahrhundert nutzten Sindelfingen, Maichingen und Magstadt große Waldflächen gemeinsam. Immer aber blieb der Wald lebenswichtig und auch wertvoller Rohstoffspender für die Menschen in der Region.
Mit dem Bau des Wohngebiets Eichholz in den 1960er-Jahren begann ein neues Kapitel dieser alten Kulturlandschaft. Beworben als „Waldstadt Eichholz“, entstand ein Stadtteil, der bis heute von Grün umgeben ist und als einziger Sindelfinger Stadtteil nicht vom Durchgangsverkehr betroffen ist – erreichbar nur über eine einzige Zufahrtsstraße.
Heute leben hier rund 2.200 Menschen. Die Bebauung ist vielfältig: Im Norden prägen Wohnblöcke mit bis zu acht Stockwerken das Bild, in der Mitte Reihenhäuser, und im Süden stehen freistehende Einfamilienhäuser.
Doch bei aller modernen Entwicklung bleibt eines spürbar: Das Eichholz ist nicht nur ein Wohngebiet – es ist ein Stück gewachsene Landschaft, in dem Menschen schon seit über 5.000 Jahren leben, arbeiten und ihre Umgebung gestalten. Wer hier zu Hause ist, lebt also in einem ganz besonderen Lebensraum mit Geschichte.
Thomas Alf, 2025
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